Loubra Blind Welfare Centre und Enga Veedu Kinderhaus in Südindien

Projekt Nr. 17

Eingereicht von Herrn Michael Speidel

Unterstützer des Projektes in medizinischer und organisatorischer Hinsicht vor Ort

conAct ist ein kleiner Verein, der im Mai 2000 von sozialengagierten und indieninteressierten Freunden im Studium in Göttingen gegründet wurde. Inzwischen geht das Engagement über Indien hinaus, der Schwerpunkt der Projekte liegt aber weiterhin in Südindien.

Ziel der Arbeit von conAct ist immer, die Lebensumstände der Menschen in den Projekten unmittelbar und direkt zu verbessern und sie so zu unterstützen, dass Grundlagen für eine selbstständige Zukunftssicherung geschaffen werden. Der Vorstand und engagierte Mitglieder besuchen mehrfach im Jahr die Projekte und arbeiten dort mit. Alle Akteure arbeiten ausschließlich ehrenamtlich und reisen auf eigene Kosten, so dass mindestens 98% aller Spenden tatsächlich bei den Menschen vor Ort ankommen.

Ein ganz besonderes Projekt ist das 2009 in Pondycherry gegründete Kinderheim „Enga Veedu“, in dem eigens gebauten Haus leben aktuell 25 Mädchen in Alter zwischen 6 und 16 Jahren wie in einer großen Familie zusammen. Sie werden betreut von einer Heimleiterin, die nach dem Tod ihres Mannes mit den eigenen Kindern dort lebt sowie 4 Haushaltshilfen und einer Nachhilfelehrerin. Durch die Sicherstellung einer regelmäßigen gesunden Ernährung, ärztlicher Versorgung und guter Schulbildung, erfahren die Kinder eine Chance auf Überleben und selbstständige Zukunftssicherung und damit auf den Ausstieg aus dem Kreislauf von Armut, Hunger, medizinischer Unterversorgung und mangelnder Bildung.

Die Stärkung des Selbstbewusstseins in diesem sicheren Umfeld zeigt große Erfolge und einige Kinder haben bereits ihr Abitur geschafft und mit einem Studium oder Ausbildung begonnen. Ein weiteres Projekt, ist das Loubra Blind Welfare Centre in Trichy. Hier leben etwa 200 schutzbedürftige Menschen, die aufgrund ihrer Blindheit und/oder anderer Behinderungen aus Familie und Gesellschaft verstoßen wurden und zuvor auf der Straße lebten. Gründer und Leiter ist ein ebenfalls erblindeter Sozialarbeiter. 8 Mitarbeiter unterstützen ihn, ein wesentlicher Anteil der Betreuung wird zudem durch die gegenseitige Unterstützung der Bewohner geleistet. Mittlerweile gibt es zudem auch viele ältere Menschen, die im Loubra Altenzentrum Zuflucht von der Straße suchen und hier bis zu ihrem Tod gepflegt werden.

Das Loubra Kinderhaus schafft zudem ein Zuhause für ehemals benachteiligte Straßenkinder und die Kinder der blinden Bewohner. Es herrscht auch hier eine sehr familiäre Atmosphäre, die Kinder helfen den Blinden und werden im Gegenzug von diesen liebevoll betreut. In den letzten Jahren konnte conAct mit niedergelassenen Ärzten, Apotheken und Krankenhäusern eine medizinische Infrastruktur aufbauen, die notwendige Augenoperationen und Behandlungen möglich machen. Zudem sind die Sicherstellung der täglichen Ernährung und menschenwürdiger hygienischer Lebensumstände gelungen.

Während conAct anfangs noch die gesamten Kosten des Heimes übernahm, konnten durch den Ansatz: „Hilfe zur Selbsthilfe“ Strukturen geschaffen werden, so dass mittlerweile ein hoher Anteil der Ausgaben aus Arbeitseinnahmen der Bewohner getragen wird.

Viele Bewohner arbeiten z.B. als Räucherstäbchenverkäufer und Korbflechter. Musikalisch begabte Bewohner haben eine Musikband gegründet, die in erheblichem Maße zu den Einnahmen beiträgt und ein Beerdigungsunternehmen für Menschen, die aufgrund ihrer niedrigen gesellschaftlichen Stellung von vielen indischen Unternehmen nicht „bedient“ werden, wurde aufgebaut. Durch die Corona Pandemie und die mit den Ausgangssperren einhergehenden dramatischen Entwicklungen in Indien haben sich für alle conAct Projekte große Herausforderungen in der Aufrechterhaltung der Unterstützung ergeben. Lebensmittelpreise explodieren und Hygieneartikel müssen in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden. Besonders im Loubra ist die finanzielle Situation nun extrem kritisch, da die indischen Spender weggebrochen sind und die Einnahmen der Arbeitsmöglichkeiten der Bewohner wegfallen.