Stiftung Augenlicht des Deutschen Komitees zur Verhütung von Blindheit

Projekt Nr. 01

Eingereicht von Dr. Raimund Balmes

Vorsitzender des DKVB und Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Augenlicht

Schon zu meiner Zeit als Dozent an der Univ.-Augenklinik Dar es Salaam (1992-1996 im Rahmen einer Partnerschaft der Univ.-Augenklinik Münster mit der Univ. -Augenklinik Dar es Salaam, Tansania) habe ich erlebt, wie katastrophal die augenmedizinische Versorgung in Tansania ist, auch in der Hauptstadt und der näheren Umgebung. Um wieviel schlechter sieht es dann erst in den abgelegenen Regionen aus? Tansania mit knapp 60 Mio. EW hat gut 50 Augenärzte, also 1 AA für mehr als 1 Mio. EW (Deutschland 1:16.000) und die meisten leben in den großen Städten.

Im Rukwa-District am Lake Tanjanjika an der Grenze zu Sambia und dem Kongo, 1.500 km von Dar entfernt, gab es keine funktionierende augenmedizinische Versorgung für 1,5 Mio. Einwohner als wir 2015 eine Erkundungsreise dorthin gemacht haben.

Neben einer Vielzahl von Cataract Blinden, die oft schon vor 5-7 Jahren ihr Augenlicht verloren haben, sahen wir eine Menge anderer Krankheitsbilder im fortgeschrittenen Stadium (Glaukome, Tumoren, Traumata) und viele Kinder aber auch Erwachsene, denen einfach nur eine Brille fehlte. 5-7 jährige Kinder mit einer angeborenen Cataract, die nach einer kurzen Operation zum ersten Mal in ihrem Leben ihre Eltern sehen konnten, haben mich besonders erschüttert.

Blindheit bedeutet in diesen Ländern noch ein viel schlimmeres Schicksal als bei uns: da die Erblindung z.B. am grauen Star viel früher kommt (oft<50J) können die Menschen ihren Beruf nicht mehr ausüben d.h. die Kinder des Bauern müssen die Feldarbeit machen, können nicht mehr zur Schule gehen und ihr Lebensweg ohne ausreichende Bildung ist auch schon vorbestimmt. Für blinde Kinder gibt es in den seltensten Fällen Blindenschulen.

Für uns war klar: hier musste etwas getan werden. Ab 2017 sind wir jedes Jahr zweimal mit einem Team von Augenärzten, Krankenschwestern und Technikern nach Sumbawanga gefahren um dort zusammen mit dem lokalen, von uns angelerntem Personal ca. 1.200 Patienten anzusehen und ca. 250 Operationen pro Camp durchzuführen.

Hilfe zur Selbsthilfe:
Schnell wurde uns klar, dass wir eine nachhaltige Struktur aufbauen wollten, damit den Augenkranken nicht nur in 4 Wochen pro Jahr, sondern das ganze Jahr über geholfen werden konnte.
So haben wir ab 2018 17 Krankenschwestern zu Eye-Nurses weiterbilden lassen, damit in allen Gesundheitszentren des Districts Augenkrankheiten untersucht werden können, 3 Catarct-Surgeons und ein Augenarzt sind jetzt in der Ausbildung um die große Menge an Cat-OP’s durchführen zu können.

Dank der guten Zusammenarbeit mit dem kirchlichen Krankenhaus, wo diese Eye-Camps immer stattfinden, sind dort inzwischen eine Augenambulanz und eine Optikerwerkstatt entstanden.
All diese Aktivitäten sind mit den lokalen Behörden abgesprochen: es gibt Verträge mit der District-Regierung und der regionalen Gesundheitsbehörde ebenso wie mit dem Bischof.

Jeder der eine Ausbildung von uns finanziert bekommen hat, musste sich verpflichten, hinterher wenigstens 5 Jahre in dem Projekt zu arbeiten. Regierung und Kirche zahlen die Gehälter, wir finanzieren Weiterbildung und Ausstattung.

Ein sehr aktiver tansanischer Projektleiter ist ständig mit allen Beteiligten in Kontakt und treibt das Projekt voran.

Das Projekt hat so viel Beachtung bis hin ins Gesundheitsministerium in Dar es Salaam gefunden, dass es eine Anfrage gibt, ob wir auch die Nachbardistrikte ähnlich entwickeln können.

Im April fährt das nächste Team nach Sumbawanga, im November werde ich wieder dabei sein und unser Ziel ist, die Augenklinik am Athiman-Hospital in 2021/2022 soweit in Betrieb zu haben, dass wir nur noch zur Supervision oder zur Weiterbildung des Personals notwendig sind.

Weitere Informationen finden Sie auf unseren Homepages www.stiftung-augenlicht.org oder www.dkvb.org