Stiftung Augenlicht des Deutschen Komitees zur Verhütung von Blindheit

Projekt Nr. 01

Ergänzende Informationen von den Herren
Ryner Linuma und Dr. Karsten Paust zu dem Projekt

3 Jahre “Prevention of avoidable blindness program” im Südwesten Tansanias

 

Ryner Linuma und Dr. Karsten Paust – Projektleiter

Das „Prevention of avoidable blindness program“ startete im November 2017 mit dem

ersten Eye camp und begann Ende 2018 mit einem 10-Jahres-Plan zum Aufbau einer

umfassenden augenärztlichen Versorgungsstruktur im Sudwesten Tansanias. Ausgangspunkt

für das Projekt ist das ländliche Gebiet der Region Rukwa und ihrer Hauptstadt

Sumbawanga.

Hauptakteure sind das Deutsche Komitee zur Verhütung von Blindheit, die

Regionalregierung Rukwa und die katholische Kirche in der Diözese Sumbawanga.

Inhalt des Programms ist die Ausbildung von medizinischem Personal auf dem Gebiet der

Augenheilkunde, dessen langfristige Bindung an das Projekt, eine dauerhafte und

kontinuierliche Weiterbildung und die notwendige Ausstattung mit Geräten und auch

Verbrauchsmaterialien.

Das Grundprinzip der Camps sind Screening und Chirurgie. Alle Arbeiten werden von lokalen

Mitarbeitern durchgeführt, erfahrene lokale und europäische Krankenschwestern und Ärzte

greifen zur Unterstützung ein, optimieren organisatorische Prozesse und vermitteln und

vertiefen Kenntnisse auf dem Gebiet der Augenheilkunde und Chirurgie.

Insgesamt wurden bis dato 4.625 Patienten untersucht und 1.145 Augen in den bisherigen 6

eye camps operiert.

In den letzten 3 Jahren wurden 24 eye nurses, 3 Augenoptiker, 3 Kataraktchirurgen und ein

Facharzt für Augenheilkunde ausgebildet.

Die ophthalmologischen Krankenschwestern sind in der gesamten Region Rukwa verteilt und

arbeiten paarweise in ihrer primären Gesundheitseinheit. Sie sind mit Material ausgestattet

(Sehtesttafeln, chirurgische Instrumente für kleinere Operationen, Ophthalmolscope

(Arclight ™). http://www.arclightscope.com

Sie führen auch Gesundheitserziehung im Bereich der Augenheilkunde durch.

Im Oktober 2020 wurde die Augenklinik im Dr. Atiman Hospital in Sumbawanga

fertiggestellt. Dort wurde ein Augenkoordinationszentrum eingerichtet. 3 Kataraktchirurgen

und 6 eye nurses werden ihre Arbeit in der Augenheilkunde aufnehmen.

Unterricht und Training in Zeiten der Pandemie erfolgen durch Online-Unterricht über Zoom

mit Unterstützung des Arclight-Projekts des Global Health Teams der University of St.

Andrews: http://med.st-andrews.ac.uk/arclight/training

Das Programm wird ab Frühjahr 2021 in der Nachbarregion Katavi fortgesetzt.

Wir glauben, dass der umfassende Ansatz dieses Projekts mit Schulung von Human

resources in der Augenheilkunde, regelmäßige Schulung, Ausstattung und Schaffung von

Arbeitsplatzen ein guter Weg ist, um die Grundversorgung im Bereich der Augenheilkunde in

einkommensschwachen Umgebungen zu verbessern.

Die wirtschaftliche Grundlage der Zusammenarbeit folgt dem Grundsatz der private-public-partnership.

Weitere Informationen:

Zum gesamten Projekt:

https://www.dkvb.org/aktuelles -> unter: Informationen zum Projekt→

Zum letzten Camp:

https://www.dkvb.org/aktuelles -> unter: Bericht eye camp 2020 →

Zum health education program: https://www.iapb.org/blog/eye-health-awareness-and-education-project-in-rukawa-region-tanzania/

Dr. Karsten Paust – paust@netcologne.de – www.dkvb.org

 

Eingereicht von Dr. Raimund Balmes

Vorsitzender des DKVB und Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Augenlicht

Schon zu meiner Zeit als Dozent an der Univ.-Augenklinik Dar es Salaam (1992-1996 im Rahmen einer Partnerschaft der Univ.-Augenklinik Münster mit der Univ. -Augenklinik Dar es Salaam, Tansania) habe ich erlebt, wie katastrophal die augenmedizinische Versorgung in Tansania ist, auch in der Hauptstadt und der näheren Umgebung. Um wieviel schlechter sieht es dann erst in den abgelegenen Regionen aus? Tansania mit knapp 60 Mio. EW hat gut 50 Augenärzte, also 1 AA für mehr als 1 Mio. EW (Deutschland 1:16.000) und die meisten leben in den großen Städten.

Im Rukwa-District am Lake Tanjanjika an der Grenze zu Sambia und dem Kongo, 1.500 km von Dar entfernt, gab es keine funktionierende augenmedizinische Versorgung für 1,5 Mio. Einwohner als wir 2015 eine Erkundungsreise dorthin gemacht haben.

Neben einer Vielzahl von Cataract Blinden, die oft schon vor 5-7 Jahren ihr Augenlicht verloren haben, sahen wir eine Menge anderer Krankheitsbilder im fortgeschrittenen Stadium (Glaukome, Tumoren, Traumata) und viele Kinder aber auch Erwachsene, denen einfach nur eine Brille fehlte. 5-7 jährige Kinder mit einer angeborenen Cataract, die nach einer kurzen Operation zum ersten Mal in ihrem Leben ihre Eltern sehen konnten, haben mich besonders erschüttert.

Blindheit bedeutet in diesen Ländern noch ein viel schlimmeres Schicksal als bei uns: da die Erblindung z.B. am grauen Star viel früher kommt (oft<50J) können die Menschen ihren Beruf nicht mehr ausüben d.h. die Kinder des Bauern müssen die Feldarbeit machen, können nicht mehr zur Schule gehen und ihr Lebensweg ohne ausreichende Bildung ist auch schon vorbestimmt. Für blinde Kinder gibt es in den seltensten Fällen Blindenschulen.

Für uns war klar: hier musste etwas getan werden. Ab 2017 sind wir jedes Jahr zweimal mit einem Team von Augenärzten, Krankenschwestern und Technikern nach Sumbawanga gefahren um dort zusammen mit dem lokalen, von uns angelerntem Personal ca. 1.200 Patienten anzusehen und ca. 250 Operationen pro Camp durchzuführen.

Hilfe zur Selbsthilfe:
Schnell wurde uns klar, dass wir eine nachhaltige Struktur aufbauen wollten, damit den Augenkranken nicht nur in 4 Wochen pro Jahr, sondern das ganze Jahr über geholfen werden konnte.
So haben wir ab 2018 17 Krankenschwestern zu Eye-Nurses weiterbilden lassen, damit in allen Gesundheitszentren des Districts Augenkrankheiten untersucht werden können, 3 Catarct-Surgeons und ein Augenarzt sind jetzt in der Ausbildung um die große Menge an Cat-OP’s durchführen zu können.

Dank der guten Zusammenarbeit mit dem kirchlichen Krankenhaus, wo diese Eye-Camps immer stattfinden, sind dort inzwischen eine Augenambulanz und eine Optikerwerkstatt entstanden.
All diese Aktivitäten sind mit den lokalen Behörden abgesprochen: es gibt Verträge mit der District-Regierung und der regionalen Gesundheitsbehörde ebenso wie mit dem Bischof.

Jeder der eine Ausbildung von uns finanziert bekommen hat, musste sich verpflichten, hinterher wenigstens 5 Jahre in dem Projekt zu arbeiten. Regierung und Kirche zahlen die Gehälter, wir finanzieren Weiterbildung und Ausstattung.

Ein sehr aktiver tansanischer Projektleiter ist ständig mit allen Beteiligten in Kontakt und treibt das Projekt voran.

Das Projekt hat so viel Beachtung bis hin ins Gesundheitsministerium in Dar es Salaam gefunden, dass es eine Anfrage gibt, ob wir auch die Nachbardistrikte ähnlich entwickeln können.

Im April fährt das nächste Team nach Sumbawanga, im November werde ich wieder dabei sein und unser Ziel ist, die Augenklinik am Athiman-Hospital in 2021/2022 soweit in Betrieb zu haben, dass wir nur noch zur Supervision oder zur Weiterbildung des Personals notwendig sind.

Weitere Informationen finden Sie auf unseren Homepages www.stiftung-augenlicht.org oder www.dkvb.org