Therapieerfolg, Sicherheit und Zufriedenheit durch Safewards in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Bethel

Projekt Nr. 23

Eingereicht von Franziska Kruth

Therapeutin und Projektleiterin auf der intensivpsychiatrischen Station

Als psychiatrisches Krankenhaus mit Pflichtversorgungsauftrag haben wir die Aufgabe, Patienten in allen Lebenslagen zu helfen.

Laut Steinhausen (2016) haben internationale epidemiologische Studien ergeben, dass bei einem Prävalenzzeitraum bis zu einem Jahr etwa jedes fünfte Kind bzw. jeder fünfte Jugendliche unter einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung leidet. Die Lebenszeitprävalenz bis zum Jugendalter erreicht sogar bis zu 50%.

Wiederholt kommt es bei jenen Kindern und Jugendlichen aufgrund verschiedener Faktoren zu Ausnahmezuständen, die zu einer akuten Eigen-/Fremdgefährdung führen können. Jene Patienten werden in unserer Klinik zunächst auf der intensivpsychiatrischen Station (Akutstation) aufgenommen, bevor im weiteren Behandlungsverlauf möglicherweise weiterhin erforderliche Maßnahmen erarbeitet werden, zu denen innerhalb unserer Klinik eine Behandlung im offenen Rahmen unserer Therapiestation, im teilstationären Rahmen unserer Tagesklinik oder aber eine Anbindung an unsere (Intensiv)-Psychiatrische Institutsambulanz gehören.

In solchen Ausnahmezuständen kommt es wiederholt zu aggressivem Verhalten auf Seiten der Patienten, das sich u. a. durch Selbstverletzungen, Suizidversuche, Entweichungen, Drogen- und Alkoholmissbrauch oder (Behandlungs-) Verweigerung äußert.

Während auf der einen Seite das Ziel einer hohen Behandlungsqualität für die Patientinnen und Patienten definiert ist und Gewaltfreiheit dabei ein wesentlicher Faktor ist, ist auf der anderen Seite die Unversehrtheit am Arbeitsplatz und eine möglichst geringe Anzahl von Belastungssituationen für die Beschäftigten anzustreben bzw. bei Nichtvermeidung dieser diese entsprechend vor- sowie nachzubereiten.

Patienten, die aufgrund akuter Krisen in die Behandlung unserer Klinik kommen, können eine bestmögliche Pflege und Beratung einhergehend mit Unterstützungsangeboten an die Familie und individualisierte Therapie erwarten.

Dabei sind die Beschäftigten bei Selbst- und Fremdgefährdung zur Anwendung besonderer Sicherheitsmaßnahmen verpflichtet. Um dieser Verpflichtung nachzukommen, ist die Vorhaltung bestimmter Hilfsmittel und Konzepte zur Durchführung solcher Maßnahmen zwingend erforderlich. Dies kann jedoch der therapeutischen Beziehung zwischen Mitarbeitenden und Patienten schaden, die wiederum nach Dziopa und Ahern (2009) jedoch eng mit dem Behandlungserfolg verbunden ist.

Wiederholt steht die Frage im Raum, wie sowohl eine Sicherheit für die Patienten hergestellt werden kann und zeitgleich jedoch die therapeutische Beziehung nicht darunter leidet.

Das Konzept „Safewards“ (Löhr, Schulz, Nienaber, 2020) strebt an, die Wechselwirkung von Aggression auf der einen Seite und Maßnahmen zu deren Minimierung oder Vermeidung auf der anderen Seite zu unterbrechen.

Mit der Einführung des Konzeptes „Safewards“ auf unserer akutpsychiatrischen Station verfolgen wir das Ziel, sowohl den Therapieerfolg zu maximieren, als auch eine Erhöhung der Sicherheit und Zufriedenheit aller Beteiligten anzustreben.

Als Therapeutin auf unserer intensivpsychiatrischen Station (Akutstation) war es mir ein großes Anliegen, ein einheitliches Konzept bei uns auf Station zu etablieren, da wiederholt von Unzufriedenheiten seitens Patienten als auch Mitarbeitern die Rede war. In dem Projekt werde ich als Projektleitung agieren und die einzelnen angestrebten Interventionen als auch die Interventionsbevöllmächtigten der jeweiligen Interventionen subervidieren als auch helfend mitwirken.